31. Oktober 2017 – Martin Kitzberger

EU-Jugendkonferenz in Tallinn

Unter dem Motto ‚Youth in Europe – what’s next?‘ fand letzte Woche die erste EU-Jugendkonferenz vom 6. Zyklus des Strukturierten Dialogs statt. Etwa 260 Jugend- und Ministeriumsdelegierte trafen sich in Tallinn, Estland um zu diskutieren, wie junge Menschen zukünftig mehr in Entscheidungsfindungsprozesse (vor allem auf EU-Ebene aber auch auf allen anderen Ebenen) miteinbezogen werden können.

Der Strukturierte Dialog ist Teil der derzeitigen EU-Jugendstrategie, die 2018 ausläuft. Die Jugendstrategie setzt Rahmen und Ziele für die Jugendpolitik der EU fest. Der 6. Zyklus des Strukturierten Dialogs stellt sich also die Frage, wie die nächste EU-Jugendstrategie aussehen soll.

Welche Themen beschäftigen junge Menschen in Europa derzeit? Ziel der Konferenz war es, sich darüber einen Überblick zu verschaffen und die verschiedenen Lebenswelten junger Menschen einzufangen. Da diese eine sehr heterogene und interessierte Gruppe darstellen, war das Themenspektrum sehr breit.

Die Tage in Tallinn waren von einem sehr offenen Prozess begleitet. Die meisten inhaltlichen Diskussionen fanden in selbstorganisierten Kleingruppen statt. Da passierte es auch mal, dass inhaltliche Arbeit und Kaffeepausengespräche in einander übergingen. Dadurch prägten eine gute Atmosphäre und Gespräche auf Augenhöhe die gesamte Konferenz.

Die diskutierten Themengebiete waren so vielfältig wie die Teilnehmer*Innen der Konferenz selbst. Gleicher Zugang zu Bildung, die Zukunft der Arbeit und eine ausgewogenere Work-Life Balance waren ebenso Thema wie die Wichtigkeit von Non-Formaler Bildung und Jugendpartizipation auf allen Ebenen. Dem kritischen Umgang mit Informationen wurde in unserer heutigen digitalisierten und vernetzen Welt auch eine sehr große Bedeutung zugeschrieben.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema psychische Gesundheit durch die gesamte Konferenz. Diese, so waren sich die Teilnehmer*Innen einig, werde derzeit durch den großen Druck, der auf vielen jungen Menschen lastet sowie durch die zunehmenden Unsicherheiten bzgl. Bildung, Arbeitsplatz und sozialer Absicherung beeinträchtigt. Diese Probleme sind geradezu allen jungen Menschen aus ihrem Umfeld bekannt und ihnen gehört auf allen Ebenen mehr Bedeutung geschenkt.

Darüber hinaus gehören Migration und Nachhaltigkeit zu den Themen, die junge Menschen sehr wohl extrem betreffen, jedoch nicht zu den typischen Jugendsektoren gehören. Im Zuge der Inklusion von Geflüchteten spielen beispielsweise Jugendorganisationen in vielen Ländern eine maßgebliche Rolle. Auch der Jugendbezug zum Thema Nachhaltigkeit liegt geradezu auf der Hand, da zukünftige Generationen weiterhin auf einem gesunden Planeten leben wollen und müssen. Wie kann es also erreicht werden, dass junge Menschen auch in solchen Themenfeldern ihre Meinungen einbringen und gehört werden können?

Die Ergebnisse der Konferenz, die ganz kurz gehalten hier verfolgt werden können, werden in den nächsten Wochen zu Fragen umformuliert. Damit kann anschließend die Konsultationsphase beginnen, die möglichste viele Junge Menschen in Europa und darüber hinaus erreichen soll.